Die vorliegende Arbeit geht zunächst näher auf die Bedeutung der einzelnen Bestandteile des Akronym MOOCs ein und behandelt in diesem Zusammenhang Entstehung, Formen, Anbieter und mögliche Geschäftsmodelle ebenso wie Nutzen und Kritikpunkte von MOOCs. Aufgrund des begrenzten Umfangs der Arbeit geschieht dies in Grundzügen, die einen Überblick über das Thema ermöglichen sollen. In einem nächsten Schritt wird die Herkunft und aktuelle Verwendung des Begriffes MOOCbrarian untersucht. Ziel der Arbeit ist die Klärung der Frage, welche Aufgaben Bibliothekare im Zusammenhang mit MOOCs übernehmen könnten. Die Arbeit schließt mit einem Fazit.
Der Begriff MOOC ist ein Akronym für Massive Open Online Courses [@Robes.2012]. Massive bedeutet in diesem Kontext, dass die Teilnehmeranzahl der Kurse unbegrenzt ist [@vanTreeck.2013]. Ein Beispiel hierfür ist der erste MOOC-Kurs, der 2011 von dem Informatik-Professor Sebastian Thrun zu dem Thema „Künstliche Intelligenz“ angeboten wurde und an dem 160.000 Leute teilnahmen [@Schulmeister.2013b]. Jedoch ist die Abbruchrate bei MOOCs aus unterschiedlichen Gründen sehr hoch: Weniger als 10 % der Teilnehmer beenden in der Regel einen MOOC-Kurs [@vanTreeck.2013].
Open bedeutet zunächst, dass keine Zugangsvoraussetzungen im Sinne eines bestimmten Bildungsabschlusses wie etwa dem Abitur zur Teilnahme erforderlich sind. Dies resultiert aus der Idee, dass insbesondere die Bildungsangebote von Elite-Universitäten für alle offen sein sollten. Allerdings werden bei den Teilnehmern nicht nur IT-Kenntnisse und die entsprechende Hardware, sondern oft auch gute Englischkenntnisse vorausgesetzt [@Schwartz.2013]. Die Kurse sind kostenlos und weiterführende Lehrmaterialien stehen Open Access zur Verfügung. Jedoch darf der Begriff Open nicht im Sinne von Open Content oder Open Educational Resources verstanden werden. Vgl. bisheriger Absatz: [@Schulmeister.2013b] Die Kurse selbst stehen nicht als freie Ressourcen im Netz und können nicht im Sinne von z. B. CC-Lizenzen weitergegeben oder wiederverwendet werden, sondern bleiben im Besitz der Anbieter. Das sind nicht die Hochschulen, sondern die MOOC-Plattorm-Betreiber, also externe Unternehmen. Drei der international bekanntesten sind Coursera, Udacity und edX [@vanTreeck.2013]. Deutsche MOOC-Anbieter sind seit 2012 beispielsweise open HPI, OpenCourseWorld und die Digital School der Leuphana Universität Lüneburg [@Schulmeister.2013b].
MOOCs sind demnach nicht als Open Content, sondern als Geschäftsmodell geplant. Eine langfristige Finanzierung ist allerdings noch nicht gesichert. Bisher erstellen Professoren kostenlos MOOCs und es existieren Verträge bzw. Partnerschaften der Anbieter mit den betreffenden Hochschulen. Die Finanzierung läuft über Fördergelder. Trotzdem muss bei einem Geschäftsmodell langfristig auch Umsatz generiert werden, die Angestellten der Plattform-Betreiber, das Marketing, neue Technik etc. bezahlt werden. Die geschätzten Kosten für einen MOOC von Coursera liegen beispielsweise bei 120.000 $. Vgl. bisheriger Absatz: [@Schulmeister.2013b] und [@vanTreeck.2013]. Als mögliche Einnahmequellen wurden bisher genannt: MOOC-Kurse zu lizensieren und an Hochschulen zu verkaufen, gebührenpflichtige Zertifikate, Kooperation mit Unternehmen durch Sponsoring oder den Verkauf der Teilnehmerdaten [@vanTreeck.2013]. Hierbei besteht das Risiko, dass Hochschulen in eine ähnliche Lage wie bei der Zeitschriftenkrise kommen könnten. Zudem unterstützt ein Geschäftsmodell nicht die Idee der freien Bildung.
Online bedeutet, dass die Kurse komplett online über einen Zeitraum von durchschnittlich sechs bis acht Wochen durchgeführt werden. Ein Professor oder ein Team von Professoren stellt täglich mehrere kurze Vorlesungsvideos auf die jeweilige Plattform, ergänzt durch regelmäßige Übungen, Wissensabfragen und eine Abschlussprüfung. Die Kommunikation zwischen den Kursteilnehmern läuft ebenfalls ausschließlich online über Foren. Vgl. bisheriger Absatz: [@Schulmeister.2013b] Diese Form von MOOCs nennt sich xMOOCs. X steht für extension und rührt daher, dass die Harvard University Online-Kurse im Vorlesungsverzeichnis mit einem x hinter der Kursnummer kennzeichnet [Wikipedia.2014]. Eine weitere Form sind die cMOOCs. C steht für connectivistisch: es geht hier v. a. um die Vernetzung der Teilnehmenden, die in Selbstorganisation eigene Beiträge zum Kursthema in Form von Blogs, Tweets, Videos etc. entwickeln [@Wikipedia.2014], [@vanTreeck.2013]. Am Ende erhalten die Teilnehmenden Zertifikate für bestandene Prüfungen, die von den MOOC-Lehrenden vergeben werden. Die Hochschulen selbst vergeben weder Credits noch andere Leistungsnachweise. Die Übertragbarkeit der Leistung stellt bisher noch ein Problem dar. Vgl. bisheriger Absatz: [@Schulmeister.2013b]. Allerdings eignet sich das reine Online-Format gut für Fernstudiengänge, Selbststudium oder körperlich beeinträchtigte Menschen.
Courses beinhaltet, dass bisher nur einzelne MOOC-Kurse zu bestimmten Themen (v. a. aus den Bereichen Informatik, Mathematik und Statistik) angeboten werden. Noch können keine anerkannten Hochschulabschlüsse über MOOCs erworben werden. Vgl. bisheriger Absatz: [@Schulmeister.2013b]. Zudem erfordert die regelmäßige Bearbeitung von MOOCs ein großes Maß an Selbstdisziplin, und eignet sich unter Umständen nicht für jeden Lerntyp, auch wenn qualitativ hochwertige Kurse das Motivationsproblem etwas auffangen können [@Robes.2012].
Die Herkunft des Begriffes MOOCbrarian lässt sich nicht eindeutig ermitteln. Sehr wahrscheinlich leitet sich die Bezeichnung jedoch von dem sogenannten Cybrarian ab [@Worthey.2013], der als ein Bibliothekar definiert wird, der im Internet verfügbare Informationen findet, sammelt und verwaltet, also Online-Recherchen und Information Retrieval durchführt [@Dictionary.com.2014]. Ein MOOCbrarian ist demnach ein Bibliothekar, dessen Arbeit sich auf MOOCs bezieht. Bisher spricht nur die Fachcommunity über MOOCbrarians, etwa im Blog der Frankfurter Buchmesse [@Anders.2014], in Beiträgen der Inetbib [@Umstaetter2014] sowie im Titel einer Fortbildungsveranstaltung mit dem Titel "Goodbye Cybrarians, Hello Moocbrarians: Envisioning the Role of Librarians in Massive Online Open Courses" [@Worthey.2013]. Wofür der Begriff verwendet wird, ist noch nicht eng gefasst, sondern bezieht sich generell auf die Arbeit von Bibliothekaren im Zusammenhang mit MOOCs.
Neue Herausforderungen für Bibliotheken im Zusammenhang mit MOOCs betreffen vorrangig die Erstellung und Betreuung der Kurse sowie Evaluation und Archivierung. Bei der Erstellung der Kurse können Bibliothekare sowohl bei Copyright-Fragen als auch bei der Recherche nach Open-Access-Publikationen wertvolle Hilfe leisten, um die ausschließliche Verwendung von freien Materialien sicherzustellen. Da die bisherige fair use exemption (die Erlaubnis, geschütztes Material im kleinen Rahmen einer Vorlesung zu benutzen) auf MOOCs als Massenmedium nicht zutrifft, ist diese rechtliche Absicherung besonders wichtig. Zudem können Bibliotheken AV-Equipment und Software für die Produktion der Kursvideos zur Verfügung stellen und überdies Hilfestellung bei der Benutzung anbieten, v. a. da diese Dienstleistung bereits für Studierende angeboten wird. Den Online-Unterricht unabhängig von Nachfragen, Sprechstunden etc. zu gestalten ist für MOOC-Dozenten eine neue Herausforderung, für die sie ein geeignetes Training benötigen, das von Bibliotheken bereitgestellt werden könnte. Zudem können Bibliotheken MOOCs zu eigenen Themen rund um Informationskompetenz erstellen. Vgl. dieser Absatz: [@Schwartz.2013] und [@Anders.2014]
Bezüglich der Betreuung der Kurse stellt sich die Frage, inwieweit Bibliotheken der hohen Anzahl von MOOC-Studierenden gewachsen sind. Einerseits benötigen MOOC-Teilnehmende aufgrund der Unterrichts- und Prüfungsgestaltung vorerst noch keine Schreibberatung und Informationskompetenzschulungen . Andererseits benötigen gerade MOOC-Studierende Hilfe bei technischen Fragen und darüber hinaus verstärkt Zugang zu Internetarbeitsplätzen. Online-Tutorials bzw. MOOCs zu Informationskompetenz ersetzen nicht die persönliche Betreuung, stellen aber eine Möglichkeit dar, mit der großen Teilnehmeranzahl umzugehen. Vgl. dieser Absatz: [@Schwartz.2013] und [@Schulmeister.2013b].
Zurzeit existieren noch sehr wenige Daten über MOOCs, deren Evaluation zur Verbesserung der Kurse beitragen könnte. Die existierenden Daten befinden sich zum Teil im Besitz der Plattform-Anbieter. Bibliotheken als Anbieter von Daten-Repositorien könnten z. B. eine Fallstudie zu diesem Thema durchführen. Vgl. dieser Absatz: [@Schwartz.2013] und [@vanTreeck.2013].
Durch die schnelle Entwicklung von MOOCs wurde das im Hinblick auf Wiederverwendung und Aktualisierung der Kurse sehr wichtige Thema Archivierung bisher vernachlässigt. Hier haben Bibliotheken die Möglichkeit, ein Archivierungskonzept für MOOCs und die aus MOOCs resultierenden Arbeitsergebnisse von Studierenden aufzustellen. Der Handlungsbedarf in diesem Bereich ist groß, denn haben die Plattform-Anbieter erst eigene MOOC-Repositorien aufgebaut, befinden sich die von Hochschulen erstellten Materialien im Besitz externer Unternehmen – eine ähnliche Ausgangssituation wie bei der Zeitschriftenkrise. Vgl. bisheriger Absatz: [@Anders.2014] und [@Schwartz.2013]. Daher sollten Bibliotheken zumindest das Recht der Langzeitarchivierung, wenn nicht sogar das zur Wiederverwendung für die von ihrer Hochschule erstellten MOOCs vertraglich festlegen. Bibliotheken könnten in diesem Zusammenhang sogar noch weiter gehen und ähnlich wie bei der Etablierung von Open-Access-Universitätsverlagen selbst Plattformbetreiber für MOOCs werden.
MOOCs sind ein junges Phänomen im Bereich der Hochschullehre und stellen in erster Linie kostenlose Online-Kurse dar, die ohne einen bestimmten Bildungsabschluss belegt werden können. MOOCs bergen sowohl große Chancen als auch hohe Risiken und werden daher stark diskutiert. Bibliotheken können und sollten daher versuchen, die weitere Entwicklung von MOOCs positiv zu beeinflussen. Dies betrifft in erster Linie das Umdenken von einem Geschäftsmodell hin zu Open Content und dem Angebot von MOOC-Kursen auf von Bibliotheken betriebenen Plattformen.